on an adventure
 
Kasan – Irkutsk

Kasan – Irkutsk

Von Kasan nach Irkutsk stand unserer längste Abschnitt im Zug an, ganze 4000 km in 68 Stunden. Wir haben Platzkart gebucht, dass ist die dritte Klasse. Es gibt noch erste und zweite Klasse, die erste Klasse ist ein Abteil für zwei Personen und die zweite Klasse ist ein Viererabteil. Wir hatten die zweite Klasse von Moskau nach Kasan und Kiew nach Moskau.

Im Platzkart gibt keine verschliessbare Abteile, es ist alles offen und gibt noch zusätzliche Betten auf dem Gang. Gesamthaft können 56 Personen in einem Wagen übernachten. Die dritte Klasse hat sogar Vorteile vor der zweiten Klasse:

  • Man schaut zueinander, mit der Zeit kennt man seine Nachbaren so schauen gesamthaft viel mehr auf dich als wenn man mit zwei Fremden in einem Abteil ist.
  • Die Luft ist besser in der dritten Klasse, obwohl man das nicht erwartet. Es macht aber Sinn die Luftzirkulation ist bei einem offenen Wagen viel besser als bei geschlossenen Abteilen.

Nina

Wir hatten unseren Zug in Kasan um 02:00 Morgens, so waren alle am schlafen als wir unsere Betten bezogen. Früh am Morgen kam dann Nina, sie hatte das Bett im Gang gerade gegenüber von uns. Diese Betten kann man durch den Tag in Tische verwandeln mit zwei Sitzen. Mit Händen und Füssen haben wir mit ihr kommuniziert und sie liess uns immer wieder durch den Tag eine Weile auf ihrem Platz sitzen und essen. Denn das ist der grosse Nachteil wenn man nur Hochbetten hat, man muss durch den Tag hoffen, dass man nette Nachbarn hat die einem das Bett anbieten um sich etwas hinzusetzen. Das war aber nie wirklich ein Problem, denn die Russen sind sich gewöhnt das Bett anzubieten und wir hatten Nina.

Nina war unsere konstante Nachbarin, in den 68 Stunden kamen die unterschiedlichsten Menschen in die Betten gerade unter uns. Am Anfang war es eine ältere Frau und einen älteren Herr, später zwei sehr junge Frauen und eine Grossmutter mit ihrem Grosskind. Dazwischen war aber noch Sergej, er hat sofort mit uns gesprochen und sich für uns interessiert. Wir wurden zuvor von den Nachbaren gefragt von wo wir sind, aber niemand hatte genug Deutsch oder Englisch um mehr zu sprechen also blieb es oft beim kurzen Austausch. Sergej war aber sehr interessiert in uns und wir haben einen ganzen Abend verbracht mit ihm zusprechen, die Nachbarin neben uns hat sich sehr gefreut, denn endlich konnte Sie durch Sergej mehr über uns erfahren und umgekehrt. Sergej hatte ein wenig Deutsch und ein wenig Englisch und natürlich sein Übersetzungsprogramm auf dem Handy, was aber jeweils nur funktionierte wenn wir in der Nähe einer Stadt waren da man nur dort Empfang hat.

So haben wir herausgefunden das unsere geliebte Nachbarin Nina auf dem Weg nach Lake Baikal wo ihr Sohn lebte um die Grosskinder zu besuchen. Sergej war auf dem Weg zu der Arbeit, er arbeitet jeweils zwei Monate in den Ural Bergen und geht dann wieder zwei Wochen zurück zu seiner Familie.

Ansonsten hatte mein Götti Hans recht, wenn du die Russen nicht verstehst und sie nicht deine Sprache können, sagen sie es einfach noch einmal nur Lauter. Nach dem dritten Mal verstehst du es dann plötzlich, genau so ging es uns ein paar Mal in dieser Zugfahrt.

Ausgang

Einen Abend haben wir uns entschieden ins Restaurant zu gehen, wir waren im hintersten Wagen also mussten wir durch drei weitere dritt Klass Wagen und etwa acht zweit Klass Wagen spazieren bis wir im Restaurant ankamen. Dort haben wir uns ein Bier bestellt und Karten gespielt. Schnell kamen wir mit drei Tschechen ins Gespräch, welche am Tisch hinter uns sassen und mit ein paar Russen Blackjack spielten. Wir haben uns bei ihnen angeschlossen und nach einer Weile kamen immer mehr dazu.

Das Restaurant schliesst um Mitternacht, drei Sergejs haben uns anschliessend eingeladen in ihr Abteil zu kommen um noch etwas weiter zu feiern, natürlich mit Vodka. Es war ein lustiger Abend und wir haben viel erfahren und meist nur mit Händen und Füssen kommunizieren können. Ebenfalls, wie ihr vielleicht schon festgestellt habt, gibt es in Russland sehr viele Sergejs.

Am nächsten Tag waren wir dementsprechend ganz froh, dass wir sowieso nicht viel mehr machen können als im Bett zu liegen und etwas zu schauen oder zu lesen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir immer noch 48 Stunden Zugfahrt vor uns.

Landschaft

Die Landschaft auf dieser Strecke ist nicht sehr abwechslungsreich. Man fährt vorallem durch den Wald, die Wälder sind aber sehr schön und anders als in der Schweiz. Trotzdem hat man die Landschaft sehr bald gesehen.

Leider wurde ich dann am letzten Tag noch von einer Erkältung eingeholt und lag den letzten Tag nur im Bett. Wir kamen nach 68 Stunden um 3 Uhr Morgens in Irkutsk an und buchten uns spontan ein Hotelzimmer neben dem Bahnhof um duschen zu können und in einem richtigen Bett schlafen zu können.

Nach 68 Stunden in einem Zug

Tipps transibirischer Zug

Wir haben viel über die transibirische Eisenbahn gelesen, bevor wir uns auf die Reise machten. Auch haben viele zu uns gesagt, dass es einen Traum sei einmal die transibirische Eisenbahn zu machen. Ich habe oft festgestellt, dass viele Menschen eine sehr romantische Idee von der transibirischen Eisenbahn haben. Das man ein schönes Abteil für sich hat, durch wunderschöne Landschaft fährt und man unterwegs mit gutem Essen verwöhnt wird. Falls ich mich nicht täusche, gibt es sogar so ein Angebot einen touristischen Zug wo man einen Raum buchen kann. Wenn man die Reise wie die Einheimischen antreten möchte, ist es weit weg von der romantischen Idee, jedoch sehr spannend und viel abenteuerlicher. Falls jemand die Strecke machen möchte wie wir es taten, habe ich folgend ein paar Tipps aufgeschrieben.

Tickets

Wir sind in der Nebensaison unterwegs, deshalb haben wir keine Zugtickets im voraus gebucht. In der Hauptsaison sollte man die Tickets unbedingt vorher buchen (Sommer und Winter). Die Tickets kann man einfach über die offizielle Webseite von RZD buchen, man muss nicht über ein Reisebüro buchen. Es ist viel einfacher direkt zu buchen und natürlich viel günstiger, man kann alle drei Klassen online buchen und per Kreditkarte bezahlen. Die Tickets kann man bis zu drei Monate vor der Reise buchen.

Essen & Trinken

Am Ende jedes Wagens gibt es immer heisses Wasser, das ist alles was man braucht. An jedem Bahnhof kann man sich mit Instant Gerichten eindecken, man hat meistens die Wahl zwischen Nudeln oder Kartoffelstock. Es ist nicht nötig alle Gericht vor dem Antreten der Reise zu kaufen, denn an jedem Halt der länger ist als 20 Minuten hat man gut Zeit sich einzudecken. Das heisse Wasser wird natürlich auch gebraucht für Tee und Kaffee, die Meisten haben eine eigene Tasse dabei, man kann sich aber auch eine Tasse auslehnen beim Zugpersonal.

Hygiene

Jeder erhält ein Frottiertuch mit dem man sich waschen kann, dazu würde ich unbedingt Feuchttücher einpacken. Diese kann man für alles brauchen, sei es den Tisch zu putzen nach dem Essen oder sich selber zu waschen.

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