Von der kleinen Grenzstadt in China Pingxiang reisten wir über die Grenze nach Hanoi, der Hauptstadt von Vietnam. Als wir ankamen realisierten wir sehr schnell, dass wir uns ab jetzt wieder in einer Tourismus Hochburg befinden. Bis anhin waren wir oft die einzigen westlichen Touristen vor allem in Russland und China trafen wir auf sehr wenige Westliche. In Hanoi in der Altstadt war gefühlt jede zweite Person europäisch man hört Englisch, Französisch und Deutsch an jeder Ecke. Es fühlte sich schwierig an mit den Einheimischen in Kontakt zu treten und zu spüren wie sie leben. Deshalb haben wir etwas gesucht, dass uns das Leben in Vietnam näher und sind auf das Projekt Da Bac Community-Based Tourism gestossen.
Was ist Community Based Tourism?
Bei diesem Konzept geht es darum den Tourismus langsam in zum Beispiel ein abgelegenes Dorf einzuführen und dabei sicherzustellen dass alle Einwohner dieses Dorfes davon profitieren. Dabei wird geschaut, dass die Einwohner ihre Kultur beibehalten können, das Dorf nicht mit Hotels und Restaurants für Touristen zugepflastert wird und mit einem Teil des Geldes Projekte verwirklicht werden können von welchen alle Einwohner profitieren wie zum Beispiel eine Schule.
Da Bac
Da Bac ist ein Distrik in der Hoa Binh Provinz im Nordwesten von Vietnam etwa drei Stunden entfernt von der Hauptstadt Hanoi.

Das Projekt wird in drei abgelegenen Dörfern durchgeführt: Xóm Đá Bia, Xóm Ké und Xóm Sưng. In diesen Dörfer leben Menschen vom Volk Muong, die zweitgrösste ethnische Gruppe nach den Kinh in Vietnam. Die Kultur geht über 10’000 Jahre zurück, in einem Muong Dorf hat es zwischen 10 und 50 Haushalte und die Dörfer sind meistens ziemlich abgelegen. Heute leben die Muong vor allem vom Reis aber auch vom Fischen, Jagen und Handarbeit wie Weben, Sticken oder Spinnen.
Das CBT Projekt in Da Bac gibt den Einwohner die Möglichkeit ein Gasthaus einzurichten, damit Touristen in ihrem Haus übernachten können. Sie werden dabei geschult über unsere Kultur und wie man mit Touristen umgeht, ebenfalls können sie wenn sie einen freiwilligen Englischkurs besuchen. Anschliessend werden sie unterstützt um ihr Haus umzubauen, es wird ein Raum für die Touristen gebaut, westliche Toiletten und auch Duschen werden installiert was wiederum ein Pluspunkt ist um die Hygiene in den Dörfern verbessern zu können. In jedem Homestay kocht die Familie für die Gäste drei Mahlzeiten. So erhalten sie ein regelmässiges Einkommen, das Einkommen wir monatlich von der Organisation ausbezahlt und nicht direkt von den Kunden bezahlt.
Man kann aber nicht nur mit einer Unterkunft sich an dem Projekt beteiligen, in diesem CBT Projekt können sich alle Dorfeinwohner beteiligen mit verschiedensten Rollen. Zum Beispiel können sie Touristen mit dem Motorbike abholen, Wanderungen leiten, das Dorf zeigen, eine kulturelle Darbietung aufführen oder die täglichen Arbeiten und den Betrieb zeigen. Alle werden monatlich bezahlt und niemand wird direkt auf die Hand bezahlt, denn das Projekt hält ein Teil des Geldes auf der Seite um Projekte die dem ganzen Dorf zugunsten kommen zu realisieren. So wurde in Xóm Sưng zum Beispiel eine Sonntagsschule gebaut, wo die Kinder am Sonntag die traditionelle Sprache des Volkes lernen können damit diese nicht verloren geht.

Drei Tage in Da Bac
Zwei Tage bevor wir nach Da Bac fuhren haben wir das Projekt kontaktiert und uns erkundigt, wie wir genau so einen Aufenthalt buchen können. Es war bereits spät am Abend, aber Hung (ein Mitinhaber von CBT Da Bac) hat sofort geantwortet und uns ein fix fertiges Programm mit drei Übernachtungen und Aktivitäten zusammengestellt. Es hörte sich sehr gut an aber für uns war es auch sehr ungewohnt, denn auf unserer Reise hatten wir noch nie ein Tour die von Jemanden anderem geplant wurde. Der Preis war uns aber ein bisschen zu Hoch in unserem Reisebudget und wir erkundeten uns ob es Möglich ist etwas weniger Aktivitäten zu machen und vielleicht nur in zwei statt drei Dörfern zu übernachten um etwas an Kosten zu sparen. Sofort hat er uns geantwortet mit einem angepassten Programm in nur zwei Dörfern und weniger Aktivitäten, dann haben wir die drei Tage gebucht.
Anreise
Die Meisten die nach Da Bac reisen gehen im Rahmen einer organisierten Tour, so stoppt zum Beispiel das bekannte Reiseunternehmen Interbit in Da Bac. Mit anderen Worten es ist sehr selten, dass man individuell mit dem öffentlichen Verkehr anreist, die meisten kommen mit einer Reisegruppe oder organisieren ein Taxi. Wir hatten die Anweisung von Hung das wir einen Bus etwas vor sieben Uhr in Hanoi nach Hoa Binh und von dort den Bus Nummer Sieben nach Cao Son nehmen sollen. Wer schon einmal einen öffentlichen Bus in Vietnam genommen hat, weiss wie stressig das sein kann. Kaum an der Busstation in Hanoi angekommen wird man umzingelt von Menschen, die anscheinend genau wissen wo du hin möchtest. Wenn du nach einem Bus fragst, kommt oft die Antwort das dieser Bus nicht existiert man aber mit ihrem Bus mitfahren kann und dann an einem anderen Ort umsteigen muss. Das Problem ist, dass die Busse alle Privat betrieben sind und es viele Busse gibt die in dieselbe Richtung fahren.
Sehr schnell fanden wir dieses Mal den Bus der nach Hoa Binh ging, wir waren aber etwas unsicher, da alles sehr schnell ging Jemand hat gehört wo wir hin müssen und uns in einen Bus gestresst der gerade losfuhr. Wir kamen aber am richtigen Ort an einfach viel Später als uns Hung mitteilte und wir realisierten das wir wohl einen Bus erwischten der nicht die direkte Route fuhr. Denn diese Busse stoppen immer überall, liefern Pakete, nehmen neue Pakete auf, neue Leute steigen ein und Leute werden irgendwo mitten auf der Schnellstrasse abgeladen. Es ist also sehr schwierig zu erkennen ob man auf einem direkten Bus ist oder nicht, keiner fühlt sich wirklich direkt an. 😉
Als wir in Hoa Binh ankamen, war es wieder dasselbe Problem, dieses mal wussten wir aber das wir auf die Nummer Sieben warten müssen. Aber auch da kamen viele zu uns und gaben uns die verschiedensten Informationen von der Bus existiert nicht, zu ich gebe dir die Informationen wenn du an meinem Stand etwas kaufst. Wir entschieden uns einfach zu warten und nach 40 Minuten tauchte dann zu unserer Erleichterung der Bus Nummer Sieben auf und wir stiegen ein.
In Cao Son angekommen wartete eine Frau und ein Mann auf uns mit zwei Motorbikes, wir gaben ihnen unser Gepäck welches sie zwischen den Beinen transportieren, setzten uns einen Helm auf und sassen hinten auf das Motorfahrrad. Ich hatte zuvor nur einmal auf einer geraden Strecke auf einem Motorfahrrad gesessen, deshalb war diese Fahrt ein ziemliches Abenteuer. Die Strassen waren unglaublich schlecht, es war einfach Erde mit vielen Löchern die sie umfahren musste dazu ging die Strasse auf und ab über verschiedenste Hügel und jedesmal wenn wir nach unten fuhren habe ich mir fast in die Hose gemacht. Der Ausblick war aber atemberaubend, die ganze Fahrt dauerte etwa 30 Minuten und war ein Erlebnis. Als wir ankamen bei der Familie, war John noch weit und breit nicht zusehen und ich konnte mit den Einheimischen nicht kommunizieren, da niemand Englisch sprechen kann. Nach 15 Minuten war John noch immer nicht da und ich war überzeugt das etwas passierte. Nach etwa 20 Minute erreichte dann John und sein Fahrer die Familie, ich fragte John was passiert ist und er hat mir erklärt das das Motorfahrrad eine Platte hatte da er zu schwer war.
Xóm Sưng
Nach der Ankunft wurden wir der Familie vorgestellt, es war eine Familie mit drei Kindern davon zwei Junge und ein Mädchen. Die Familie sprach kein Englisch wir konnten also nur sehr reduziert uns verständigen. Das Haus war komplett aus Holz gebaut, als Dach verwenden sie Palmblätter. Es gab einen separater Raum mit 16 Matratzen und einem Mückennetz für jedes Bett, dieser war für die Touristen. Im hinteren Teil des Hauses schläft die Familie. Die Küche ist offen und nur überdacht ganz hinten am Haus. Neben dem Haus sind die Toiletten und Duschen untergebracht und es hat eine grosse Terrasse mit Tischen und einem Fernseher, wo wie als Wohnzimmer der Familie dient. In Xóm Sưng gibt es keinen Internetanschluss, nur einige Familien haben einen Satellite mit einem Fernseher. Am Abend kamen jeweils einige Dorfbewohner bei unserer Familie vorbei um die Nachrichten zu schauen und durch den Tag kamen oft andere Kinder vorbei um eine Kindersendung anzuschauen.

Als erstes wurde uns ein Mittagessen serviert, das Essen war im allgemeinen in Da Bac immer sehr gut mit vielen verschiedenen kleinen Gerichten und natürlich Reis. Es war immer etwas zu viel Essen und wir konnten leider nie ganz ausessen, die Familie hat aber jeweils die Hunde mit den Resten gefuttert.

Nach der Stärkung kam dann Hung, der unsere Reise organisierte mit einem dänischen Paar zum Tee trinken. Sofort verstanden wir uns super mit Mikkel und Cecillia und Hung hat sich entschieden, dass wir die Nachmittags Aktivitäten zusammenmachen können. Für uns war es natürlich einen riesen Benefit, denn so hatten wir mit Hung Jemand, der übersetzen konnten zwischen den Einheimischen und uns. Denn einen Englisch Übersetzer muss man dazu buchen, was wir nicht gemacht haben. Ebenfalls kamen wir zum Genuss einer etwas erweiterten und spezielleren Tour, da Mikkel in einem Reiseunternehmen arbeitet und Hung ihm einen tieferen Einblick ermöglichen wollte.
Wir gingen also mit den zwei lokalen Guides los, sie zeigten uns das Dorf und erklärten uns genau wie das Leben im Dorf funktioniert. Wir gingen über die Felder, konnten mit Einheimischen zusammen Mais ernten, besuchten eine Höhle, uns wurde die Legenden erzählt an welche das Volk glaubt und zum Schluss konnten wir die traditionellen Kleider anschauen und sogar anprobieren.
Am Abend durften wir dann sogar eine kulturelle Darbietung geniessen, da eine Gruppe von Interbit in einem anderen Homestay übernachteten und sie dort eine Darbietung für die Gruppe machten. Wir durften uns anschliessen und kamen zum Genuss der traditionellen Musik und Tänze des Volkes.
Am nächsten Tag wanderten wir dann wieder mit dem dänischen Paar und Hung, sowie zwei lokalen Guides zum nächsten Dorf. Wir hatten aber eine leicht weitere Wanderung gewählt mit einer kleineren Bootsfahrt so trennten wir und etwa in der Hälfte und wir gingen alleine weiter mit unserem Guide. Die Wanderung führte uns durch den Jungle, durch Felder und Bananenplantagen bevor wir am See ankamen und uns ein Boot abholte und uns zum nächsten Dorf brachte. Auf dieser Wanderung haben wir gelernt, dass Zimt in diesem Ort überall wächst, ein lokaler Guide schnitt einbisschem vom Zimtbaum ab und wir konnten während der ganzen Wanderung auf diesen Ästen herumkauen und es war sehr fein und fühlte sich wie Weihnachten an.
Xóm Đá Bia
In Xóm Đá Bia blieben wir dann zwei Nächte in einem wunderschönen Homestay am See, dort hatten wir dann keine Aktivitäten mehr gebucht und durften uns selber beschäftigen. Vier Generationen lebten in dieser Familie und alle schliefen in demselben Zimmer, ausser die Mutter und das neugeborene Baby schliefen getrennt, damit nicht immer alle erwachen wenn das Baby schreit. Im Haus lebte die Urgrossmutter, die Grosseltern, der Sohn mit seiner Frau und den zwei Kindern. Das Haus war indem selben Stil gebaut wie das Vorgängige und auch sie nutzten die Terrasse als Wohnzimmer, diese Familie besitzt aber keinen Fernseher. In diesem Dorf gibt es aber einen Internetempfang über das Mobilnetzwerk.
Am ersten Abend hat uns Hung und das dänische Paar (Mikkel und Cecilia) zu ihrem Homestay eingeladen um den Match Vietnam – Thailand anzuschauen, dies war aber nicht so einfach, da die Familie keinen Satellit hatte sondern über das sehr langsame Internet das im Dorf zur Verfügung steht einen Stream laufen liessen. Alle fünf Minuten stockte das Spiel und der Stream musste neu geladen werden für uns extrem Mühsam, für sie ist das aber normal.
Am nächsten Tag gingen John und ich für einen langen Spaziergang bis zum nächsten Dorf und konnten dort eine Darbietung einer Schule beobachten. Die Kinder hatten eine Vorführung und die Eltern kamen mit den eigenen Stühlen und sassen vor der Bühne um die Vorführung zu schauen. Beim Rückweg wurden wir dann von unzähligen Motorfahrräder überholt mit jeweils einem Elternteil, drei Kindern und etwa zwei Stühle pro Motorfahrrad. Als wir zurück kamen, gingen wir dann noch eine Stunde kayaken mit Mikkel und Cecilia, welche nach dem Mittagessen in ein weiteres Dorf reisten.
Wir genossen den Nachmittag in der Hängematte und lasen unsere Bücher, spielten mit den Kindern und machten kurz vor dem Abendessen noch einen weiteren Spaziergang in die andere Richtung.
Als wir mit dem ÖV zurück nach Hanoi gingen, hat sich leider bei John eine Magendarm Problem eingeschlichen und John war ausser gefächt. Ich habe mich aber mit Mikkel und Cecillia verabredet um mit ihnen den letzten Abend in Hanoi zu verbringen mit ein paar Biere und einem vietnamesischen Hot Pot.
Unsere Lieben, eure Weltreise ist eine sehr gute Investition für euer ganzes Leben. Ihr habt das Feingefühl für eine andere Kultur. Und eure Berichte sind zudem sehr spannend zu lesen, dazu eine sehr gute Auswahl von Fotos. Vietnam kennen wir nur vom Krieg, den die Amerikaner führten. Die Berichterstattung war damals sehr einseitig. Füchterlich, was die westlichen Militärs dort anrichteten u.a. auch mit dem Ablauben mit starker Chemie – grausam. Umso versöhnlicher, wenn nun einzelne Turisten vom Massenstrom abbiegen und wenigstens etwas von der dortigen Kultur zu spüren.
Wir wünschen euch weiterhin eine gute Reise und gute Erlebnisse.
Herzlichen Dank, Bernhard und Marlen